Mein Weg zum Selbststudium

Während meines Studiums sind mir dieselben Begriffe, Konzepte, Theorien und Personen in den unterschiedlichsten Kontexten immer wieder begegnet. Ich habe erkannt, dass Vieles miteinander zusammenhängt und ich aufmerksam und neugierig sein muss und darf, diesen Verbindungen nachzugehen. Dadurch und durch die Idee des Second Brain-Ansatzes bin ich auf die Idee gekommen, mich mit für mich interessanten Aspekten aus meinem Studium – und wenn es sich anbietet, Leben – zu beschäftigen.

Meine Reise des Selbststudiums hat so gesehen keinen klaren Startpunkt. Aber ich möchte nun mit voller Aufmerksamkeit, ein wenig Zeit meiner Freizeit, viel Neugier, Freude am Denken und Inspiration dem Weg des Selbststudiums folgen. Auf diesem Blog möchte ich meinen Gedanken Raum und Platz geben und meine Erkenntnisse festhalten.

Ich bin schon von klein auf neugierig gewesen, habe mir das Lesen selbst beigebracht, sodass keine Bücher und Dokumente vor mir sicher waren. Das mag vielleicht als Erklärung für mein Bedürfnis, zu lernen und neue Dinge zu entdecken, herhalten, ist mir aber ehrlicherweise keine ausreichende Begründung.

Viel sinnvoller scheint mir deshalb ein kurzer Blick in die Psychologie. In meinem Studium der Erziehungswissenschaft habe ich Module der Psychologie belegt, weil dies im Curriculum vorgesehen war. Spannend fand ich vor allem, wie viel sich in den Modulen um Lernen gedreht hat.

Lernen war in meinem Studium ein zentraler Begriff. Es gibt verschiedene Begriffsverständnisse und Formen von Lernen, je nachdem aus welcher Perspektive der Begriff betrachtet wird. Für mich im Zusammenhang mit meinem Selbststudium scheint mir jedoch vielmehr die Verbindung zwischen Lernen und Motivation relevant zu sein, als ein genaues Begriffsverständnis.

Warum ich meinen Interessen im Rahmen eines Selbststudiums nachgehe, kann ich mit der Selbstbestimmungstheorie der Motivation von Deci & Ryan am besten erklären. Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation stützt sich auf das Konzept der Intentionalität. Heißt, „Menschen gelten dann als motiviert, wenn sie etwas erreichen wollen – wenn sie mit dem Verhalten einen bestimmten Zweck verfolgen“ (Deci & Ryan, 1993, S.224). Was will ich also erreichen? Ich möchte mich ohne Vorgaben, ohne Druck, frei nach meinen Interessen weiterbilden. Weiterbilden im Sinne von Verbindungen zwischen Inhalten aus meinem Studium und darüber hinaus nach gehen und mir Wissen aneignen. Außerdem möchte ich meine Erkenntnisse in irgendeiner Form – ich habe dafür diesen Blog und Instagram gewählt – teilen. Ich habe eine Intention und bin nach Deci & Ryan motiviert.

Die Autoren postulieren, dass sich „motivierte Handlungen nach dem Grad ihrer Selbstbestimmung bzw. nach dem Ausmaß ihrer Kontrolliertheit unterscheiden lassen“ (Deci & Ryan, 1993, S.225). Im Rahmen meines Selbststudiums bin ich nicht von externen Erwartungen oder Bedingungen abhängig. Niemand schreibt mir vor, was ich zu lernen habe, wie viel ich lernen muss und bis wann ich etwas gelernt haben muss. Ich bin ganz allein für meinen Lernfortschritt und Erfolg verantwortlich.

Mit dieser Abwesenheit der Kontrolle geht einerseits die Möglichkeit einher, Themen zu wechseln, wenn ich merke, dass ich kein Interesse mehr habe und dementsprechend nicht „weiter lernen“ möchte, andererseits kann ich mich „verzetteln“ oder etwas missverstehen und es ist schwieriger, sich über die Inhalte auszutauschen. Etwas, das mir eigentlich sehr wichtig ist. Darum teile ich meine Reise des Selbststudiums auch öffentlich. Möglicherweise ergibt es sich dadurch, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und Andere zu inspirieren, ihre eigene Reise des Selbststudiums zu starten und darüber in Kontakt zu treten.

Da ich die Selbstbestimmungstheorie der Motivation von Deci & Ryan aufgegriffen habe, möchte ich an dieser Stelle auch kurz den Begriff der intrinsischen Motivation hervorheben. Intrinsische Lernmotivation – in meinem Fall interessanten Aspekten aus meinem Studium und Leben nachgehen – ist nach Deci & Ryan „eine wichtige Bedingungsvariable des Lernens“ (Deci & Ryan, 1993, S.233).

Quelle:

Deci, Edward L. & Ryan, Richard M. (1993): Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung für die Pädagogik. In: Zeitschrift für Pädagogik 39 (2), S.223-238

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